In der klassischen Information-Retrieval-Forschung dominierte in der Vergangenheit die systemorientierte Sicht. Benutzer formulieren in dieser Sicht die Anfrage und beurteilen dann die Elemente der Ergebnis-Rangliste bezüglich ihrer Relevanz. Diese Art der Informationsabfrage setzt eine explizite Anfrageformulierung voraus und führt damit oft nur zu einem Wiederfinden von schon bekannten und vormals abgespeicherten Daten. Somit trägt sie häufig nicht zur Behebung des der Anfrage zu Grunde liegenden Informationsbedürfnisses bei. Deshalb entspricht diese Form der Informationsabfrage eigentlich nicht dem Kommunikations- und Interaktionsbedürfnis des Menschen bei der Erledigung von Aufgaben oder der Lösung von Problemen.
In einem klassischen Retrieval-Prozess sind in den seltensten Fällen die relevanten Informationsobjekte zur Befriedigung eines Informationsbedürfnisses bekannt. Es wird daher ein Informationsprozess stattfinden, bei dem sich der Suchende auf der operativen Ebene neben inhaltlichen, d.h. semantischen Gesichtspunkten wie Titel, Index oder Kategorie, auch von Layout, Ähnlichkeitsfaktoren zu anderen gefundenen Informationsobjekten etc. leiten lässt. Folglich muss ein Retrieval-System auf der systemorientierten Seite zunächst eine enge Integration der Repräsentation von Syntax, Semantik und Layout der verwalteten Informationsobjekte verfolgen, um diese extensiven Attribute für die Abfrage, insbesondere aber für die Visualisierung, Präsentation und Manipulation der Abfrageergebnisse zu nutzen.
Des Weiteren müssen aber auch dialogorientierte Vermittlungsfunktionen auf der benutzerorientierten Seite des Systementwurfs realisiert werden. Dazu gehören Funktionen, die den Benutzern auf den verschiedenen Meta-Ebenen der Informationssuche helfen, ihr Informationsdefizit und damit ihr Informationsbedürfnis genauer zu charakterisieren. Hierzu soll eine systematische Vorgehensweise entwickelt werden, die für die jeweilige Anwendung relevanten Dokumentmerkmalen in Beziehung zu den Möglichkeiten unterschiedlicher Informationsvisualisierungen setzt. Durch Dialogwerkzeuge und die flexiblen Visualisierungsmöglichkeiten kann der Benutzer das jeweilige Ergebnis schneller analysieren und die Suche gezielter vorantreiben.
Zur Untersuchung dieser Themenstellung soll das Daffodil-System zu einem flexibel konfigurierbaren, interaktiven IR-System weiterentwickelt werden um Evaluierungen mit Endnutzern durchzuführen.
Folgende Abschlussarbeiten werden im Rahmen des Projektes vergeben.
Dipl.-Ing. Paul Landwich
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|---|---|
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Dr. rer. nat. Claus-Peter Klas
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